TIPS & TRICKS

Neue Fotoprojekte planen & durchführen
Teil 1: Vorbereitung, Reise


Idee

An erster Stelle steht immer die Idee für ein neues Projekt im Raum.
Manchmal träume ich von einem neuen Projekt, manchmal reift eine Idee im Hinterkopf oder ich stolpere
in Publikationen oder Gesprächen auf ein Idee-Fragment dass mich dann inspiriert.
Irgendwann ist es dann soweit und ich setze mich in Ruhe hin und setze das Ideen-Puzzle
zu einem Konzept zusammen.


Planung
Es beginnt die Planungsphase.
Es sind im Grunde genommen immer ähnliche Überlegungen und Abläufe die ich für meine Planungen einsetze.
Es ist im Prinzip eine Checkliste.


Ziel/Ziele
Zuerst wird "die Stecknadel" auf der Karte gesetzt. Dort will ich hin.
Basislager oder mehrere Ziele?
Ist die Lage im Zielland sicher? Muss mit regionalen Risiken gerechnet werden?
Wie hoch sind die Risiken für Leib und leben?
Kann das Risiko verantwortet werden oder nicht?


Pass/ID/Visa/Aufenthaltsbewilligung
Reicht eine ID zur Einreise oder muss es ein Pass sein?
Wie lange ist der Pass/ID noch gültig?
Ev. braucht es ein Visum oder mehrere.
Sind Kopien der wichtigsten Dokumente für den Notfall in Dropbox?
Gibt es im Zielland für den Notfall eine diplomatische Vertretung der Schweiz (Konsulat, Botschaft)?
Wenn nicht, ist eine andere europäische oder US Vertretung im Zielland erreichbar?
Adresse, Telefonnummer, E-Mail der Vertretung?


Transportmittel
Dann kommt die Frage: wie komme ich dort hin? Welches ist der nachhaltigste Weg?
Welche Transportmittel benötige ich vor Ort? Auto, Schiff, Flugzeug, Boot ec. ?
Benötige ich einen Chauffeur oder kann ich selber fahren?
Wenn klar ist welche Transportmittel gebraucht werden, müssen diese organisiert/reserviert werden.


Reisezeit
Anschliessend checke ich die Reisezeit. Ev. ist es wichtig ob der Mond scheint oder eben nicht.
Winter oder Sommer, Frühling oder Herbst, je nach Projekt kann das matchentscheidend sein.


Ausrüstung
Welche Ausrüstung muss unverzichtbar mit und welche ist "nice to have"?
Gerade der Punkt Ausrüstung ist essenziell!
Der Pass/ID, Geld, Kreditkarten, Driver-Licence und Medikamente müssen immer mit dabei sein.
Also müssen dieses unverzichtbaren Dinge immer so verstaut sein, dass Sie nie weg kommen
und immer in Reichweite sind. Gar nicht immer so einfach..
Welche Kleider sind wichtig, Schuhe, Mütze, Handschuhe?
Es gibt Ausrüstung, die darf nicht von Zuhause mitgenommen werden. Schusswaffen, Munition, Gas oder Bärenabwehrmittel muss vor Ort besorgt werden. Vielleicht braucht es dafür spezielle Unterlagen?
Diesbezüglich muss ev. die ausländische Vertretung angefragt werden.



Medikamente
Ist man auf Medikamente angewiesen oder führt man solche als Notfallmedis mit,
muss abgeklärt werden, ob und wie diese ins Zielland eingeführt werden können.
Rezepte/ärztliche Bestätigungen ausgestellt in englischer Sprache können ev. nützlich sein.
IMMER eine genügend grosse Reserve dabei haben und nie alle Medikamente
am selben Ort aufbewahren.


Geld
Ein Grobbudget muss erstellt werden.
Reicht es mit eigenen Mitteln oder sind zusätzliche Sponsoren nötig?
Geldwechsel: Was macht mehr Sinn, Zuhause oder im Zielland wechseln?
Wo verstaue ich das Geld sicher?
Zusätzliches Portemonnaie für den Fall, dass man ausgeraubt wird.


Training
Training: Für viele Projekte ist ein körperliches und mentales Training unersetzlich.
Eventuell ist auch ein technisches Training angesagt (Notfalltraining, Schiessübungen, Erste Hilfe, Selbstverteidigung,
Überleben in offenem Wasser u.s.w.
oder Üben spezieller Fototechniken)


Unterkunft, Unterkünfte
Hotel(s), Herbergen, Zelt, Wohnwagen...?
Wenn die Auswahl erstellt ist, muss reserviert werden.


Kurz vor Reise
Zwei Wochen vor Reisebeginn nochmals alles checken.
Transportmittel ok?
Geld, Pass, Visa?
Ausrüstung ok?
Ev. Gesundheitscheck beim Arzt.
Letzte Impfungen, fehlende Medikamente besorgen.
Rezepte in Englisch mit dabei?

Eine Woche vor Reisebeginn alles einpacken in den/die Koffer.
Handgepäck packen.
Gewichtskontrolle der Gepäckstücke.
Was muss ins Handgepäck?


Reisetag/Anreisetage/Rückreisetag/Tage
Alles gepackt und verstaut?
Check-In gemacht?
Flugplan gecheckt (Änderungen sind immer möglich)?
Transportmittel zum Flughafen ok?
Reiseplan klar?




Neue Fotoprojekte planen & durchführen
Teil 2: Fotografieren in der Praxis


Vor Ort
Endlich ist man vor Ort, im "Basislager" (Hotel, Zelt, Fahrzeug).
Nun geht es an die Feinplanung. Die Planung einer vernünftigen Tagesstruktur gibt Sicherheit
und erhöht die Chance, die angepeilten Fotoprojekte erfolgreich umsetzen zu können.
Wann, wo und wie will ich meine Hauptmahlzeiten einnehmen?
Wann plane ich Erholungsphasen ein und wann bin ich aktiv unterwegs?
Vielleicht suche ich mal meine Ruhe und ziehe mich für eine gewisse Zeit zurück.
Für die Zeit nach dieser Ruhephase mache ich mir Gedanken darüber,
wann und wie ich mit Zuhause kommuniziere (Telefon, Internet, Mail, SMS etc.)


Umsetzung eines Fotoprojektes Anhand eines Beispiels
Auf der "Jagd" nach dem legendären Polarlicht
Um Polarlichter fotografieren zu können braucht es einen möglichst wolkenfreien Himmel.
Ich hab den lokalen Wetterbericht schon am Morgen gecheckt. Am Mittag noch ein zweiter Check.
Ca 2-3 Stunden vor dem Einsatz dann nochmals ein detaillierter Check der Wetterprognose
und anschliessender Entscheid in welche Region es gehen soll.
Mein "Basislager" habe ich in der Stadt Tromsö in Nordnorwegen.
Das heisst konkret für mich, dass es für mich vier mögliche Ziele gibt.
1: Nordpolarmeer/Küste, 60-80 Km
2: Innere Fjorde um Tromsö, 30-40 Km
3: Weiter entfernte Fjorde, 160-260 Km
4: Finnische Grenze, 320 Km
Alle Kilometer sind in hin-und zurück gerechnet.
Je nach Strassenzustand kommt man nur langsam voran.
Diese Zeit muss einberechnet werden.

Die Foto-Ausrüstung ist schon um die Mittagszeit gecheckt worden.
Genügend Batterien, Speicherkarten, Funktionstest an allen Kameras.
Sind die Stative in Ordnung, lassen sich die Kameras sauber anbringen?
Rucksack/Rucksäcke sind klar und gepackt. Heisser Tee zubereitet und
in Thermosfaschen (2x) bereitgestellt. Zwischenverpflegung ist eingepackt.
Mobiler Stuhl ist eingepackt. Falls ich länger bleiben möchte, steht das Zelt bereit.

Am Ziel angekommen baue ich die Stative auf.
Dabei machen ich mir schon Gedanken, welche Bildausschnitte ich später
fotografieren möchte. Die Stativköpfe werden ausgerichtet damit ich wenn's los geht,
gleich fotografieren kann.
Solange der Himmel nicht klar ist, behalte ich die Cams im Rucksack.
Sobald es aufklärt mache ich mit einer Kamera mehrere Probefotos vom Himmel.
Diese Fotos können auch von Hand gemacht werden, denn sie müssen nicht schön sein,
sondern sollen nur anzeigen, ob sich eine Aurora, ein Polarlicht am Himmel zeigt oder nicht.
Stelle ich Polarlichtaktivität fest, muss es sehr schnell gehen denn Polarlichter können
sehr schnell auftauchen und wieder verschwinden.
Kameras werden auf die Stative befestigt und feinjüstiert. Dann geht es los mit der
eigentlichen Fotografie.


Einstellungen an der/den Kamera/Kameras
Ich "programmiere" meine Bodys/Kameras schon im Voraus mit den wichtigsten Einstellungen.
Der Autofokus muss zwingend ausgeschaltet sein und das Objektiv auf Unendlich gestellt werden.
Damit sich am Objektiv in der Dunkelheit nicht's mehr unbeabsichtigt verstellt, fixiere ich den Distanzring
mit einem Teppichklebeband. Diese Bänder lassen sich anschliessend ohne Rückstände wieder entfernen.
Damit bei Fotografieren nichts verwackelt, stelle ich den Timer auf 2-Sekunden bevor die Kamera
auslöst. Die Spiegelvorauslösung ist immer eingeschaltet.
Falls die Luft feucht ist, ist eine Objektivheizung (Manschette) ev. ganz gut.
Eine allfällige Kondensation auf dem Objektiv ist unbedingt zu vermeiden.


Geduld.. Geduld.. Geduld
Geduld ist immer ein wichtiger Schlüssel zum Erfolg.
Wer ungeduldig ist, keine Nerven hat und ständig nervös reagiert,
sucht sich besser ein anderes Hobby.
Eventuell wartet man einige Stunden darauf, dass sich der Himmel aufklärt
oder dass das Nordlicht sich zeigt.


Nachbearbeitung/Auswertung
Sobald man wieder zurück im Basislager ist, gilt es die Fotos zu sichern.
Dafür nehme ich die Speicherkarten der Kameras schon in der Kälte aus den Body's.
Ebenfalls die Akkus. Dann lasse ich die Kameras und die Objektive einige Stunden im Rucksack
bevor ich den langsam öffne. Diese Vorsichtsmassnahme schützt die teure Ausrüstung vor Kondensation.
Die Akkus lade ich sofort wieder auf.
Ich kopiere die Rohdaten der Fotos auf zwei externe SSD's.
Anschliessend bearbeite ich die Rohdaten am Computer.
Diese Vorarbeit ist wichtig, denn so lassen sich schon im Ursprungsland
die besten Fotos aussortieren. Diese Selektion dient auch dem Projekt.
Ich lösche grosszügig und behalte wirklich nur das beste Material.
Diese Vorarbeit bezweckt auch, dass ich Zuhause weniger Arbeit habe.
Nach jedem Tag werte ich meine Tagesziele aus. Was war gut? Was könnte man besser machen?


Rückreise, Materialprüfung und Projektauswertung
Für die Rückreise gelten die selben Vorbereitungen wie für die Hinreise.
In der Regel ist das Rückreisen so schon fast Routine.
Wichtig ist es aber trotzdem, das Gepäck nie aus den Augen zu verlieren.
Der Zoll ist immer mit Vorsicht zu geniessen und wer möchte wegen einer Unachtsamkeit
an der Rückreise gehindert werden?
Zuhause wird dann das Material geprüft, gereinigt und verstaut.
Allfällige Nachbearbeitung der Fotos beendet und die neuen Fotos (JPG's)
inklusive Rohdaten (RAW's) auf separaten Festplatten gesichert.
Eine detaillierte Projektauswertung mit sehr kritischen Augen ist bei mir immer Pflicht.
Dabei werden alle Komponenten der Reise durchleuchtet.
Die Ergebnisse dieser detaillierten Auswertungen lassen jede nachfolgende Reise
noch besser werden weil ich mögliche Fehler in der Regel nicht zwei Mal mache.


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