Montag, 20. April 2026 von Mauro Callegari
Ogasawara - Paradies inmitten des Pazifiks
Die Ogasawara-Inseln mit der Hauptinsel Chichijima liegen rund 1.000 Kilometer südlich von Tokio im Pazifik und zählen zu den abgelegensten Regionen Japans und des Pazifiks. Während meiner drei Wochen auf der Insel begegnete ich lediglich einem Amerikaner, einem Südkoreaner und einigen japanischen Touristen – keinem einzigen Europäer. Aufgrund ihrer Isolation hat sich eine außergewöhnlich hohe Zahl endemischer Arten entwickelt; viele Pflanzen, Vögel und Insekten kommen weltweit nur hier vor. Die Inselgruppe gehört zum UNESCO-Weltnaturerbe und wird nicht ohne Grund als „Galápagos des Ostens“ bezeichnet. Südlich von Chichijima liegt zudem die im Zweiten Weltkrieg heftig umkämpfte Insel Iwo Jima, bis heute ein Symbol für die Härte der Pazifikschlacht.
Auch auf Chichijima selbst sind Spuren dieser Zeit sichtbar: Im dichten Dschungel finden sich Überreste ehemaliger Befestigungsanlagen und Militärstellungen. Während des Krieges war die Insel ein wichtiger japanischer Stützpunkt; damit verbunden ist auch die Geschichte des jungen US-Piloten George H. W. Bush, des späteren US-Präsidenten, der in der Nähe von Chichijima abgeschossen wurde und nur knapp überlebte. Heute liegen diese Relikte still in der Landschaft und stehen im scharfen Kontrast zur friedlichen Naturinsel.
Das Meer rund um Ogasawara ist von großer Vielfalt geprägt: Buckelwale ziehen saisonal durch die Gewässer, Delfine sind ganzjährig anzutreffen. Die Kombination aus subtropischer Vegetation, steilen Küsten und klarem Wasser schafft eindrückliche Motive für Natur- und Tierfotografie. Im Zentrum meiner Expedition standen die Wale; vor Ort habe ich ihr Verhalten intensiv beobachtet und verschiedene Herangehensweisen erprobt, bis ich ein stimmiges fotografisches Setting gefunden hatte.
Die Anreise erfolgt mit der Ogasawara-Maru, einem Versorgungsschiff, das Chichijima in etwa 24 Stunden von Tokio aus erreicht und unterwegs die vulkanisch geprägten Izu-Inseln passiert. Ogasawara ist nicht nur landschaftlich besonders, sondern auch kulturell: Die kleine Inselgemeinschaft geht auf internationale Siedler des 19. Jahrhunderts zurück und lebt bis heute in enger Verbindung mit der Natur.
Mein Alltag vor Ort war geprägt von langen Wegen: Fast täglich führte mich der Aufstieg über steile Bergrücken zu exponierten Klippen am Meer, von wo aus ich die Wasseroberfläche beobachten und auftauchende Wale identifizieren konnte. Viele dieser Orte liegen weit entfernt von jeder Zivilisation, was höchste Konzentration und präzises Arbeiten verlangte; als zusätzliche Sicherheitsreserve führte ich stets einen satellitengestützten Notfallpager mit mir. Da große Teile der Insel zum Ogasawara-Nationalpark gehören, war der Einsatz meiner Fotodrohne stark eingeschränkt – als Ausgleich habe ich die Insel konsequent zu Fuß erkundet. Um die raue und steile Insel überhaupt befahren zu können, mietete ich einen kleinen Kei-Car: einfach, teuer, aber äußerst praktisch, zumal überall Tempo 40 gilt.
Die Abgeschiedenheit zeigte sich auch in der Versorgung: Die beiden kleinen Einkaufsläden waren nur am Tag der Ankunft des Schiffes aus Tokio wirklich gut gefüllt. Am Abend schien sich dann die gesamte Inselbevölkerung dort zu versammeln, frische Produkte waren schnell verschwunden; in der Nebensaison, wenn das Schiff nur einmal pro Woche verkehrt, blieb gegen Ende der Woche meist nur Konserviertes.
Einige Impressionen meiner Fotoexpedition habe ich für Sie mitgebracht.