Mittwoch, 15. April 2026 von Mauro Callegari
Hokkaido - Winter im Norden Japans
Die Expedition nach Hokkaido begann im tiefsten Winter im Norden der Insel – es ist Anfangs Februar in einer Region, die in diesen Monaten eine beinahe arktische Dimension annimmt. Entlang der Küstenlinie der Halbinsel Shiretoko trieb russisches Packeis heran und verwandelte die Landschaft in eine stille, fast unwirkliche Szenerie aus Weiß, Blau und gefrorener Bewegung.
Über dem Eis kreisten vor allem die imposanten Stellerschen Seeadler. Mit beeindruckender Ruhe und Kraft patrouillierten sie entlang der Küste und über den zerklüfteten Schollen – ein Sinnbild für die Wildheit dieser Region.
Im Inland hingegen prägten die Mandschurenkraniche das Bild. In der verschneiten Weite und bei Temperaturen von nahezu minus dreißig Grad bewegten sie sich mit einer fast feierlichen Anmut. Besonders in den frühen Morgenstunden entstand eine Atmosphäre von seltener Klarheit und Intensität.
Am Kussharo-See begegneten mir Singschwäne, die hier im Winter ihr wichtiges Quartier finden. In den von heißen Quellen gespeisten, eisfreien Zonen ruhten und schwammen sie im Morgenlicht – schneeweiße Silhouetten über dem gefrorenen See, ihre Rufe weit über die stille Landschaft tragend.
In der Region des Meakan-dake, einem der aktivsten Vulkane Hokkaidos, wurde die geologische Kraft Japans unmittelbar erfahrbar. Dampf stieg aus der Erde, während Schnee und Eis die Landschaft bedeckten – ein sichtbarer Kontrast zwischen äußerer Kälte und innerer Aktivität.
Die Reise durch Hokkaido war geprägt von klaren Gegensätzen: Küste und Inland, Eis und Leben, Stille und Bewegung. Eine Landschaft, die nicht nur betrachtet, sondern in ihrer ganzen Intensität erfahren wird.